Mehr Respekt und mehr Mitsprache

Frisch gewählter Betriebsrat bei SCHEDL nimmt Arbeit auf. Übernahme von Leiharbeitern gefordert

„Wir wollen mehr Mitsprache bei internen Arbeitsabläufen, möglichst viele Leiharbeiter übernehmen und mehr Respekt von der Geschäftsleitung.“ Martin Ritzau, frisch gewählter Betriebsrat beim Leipziger Industriedienstleister SCHEDL, hat klare Ziele für seine zukünftige Arbeit. Beinahe wie ein alter Profi hört er sich an, obwohl er gerade erst zwei Monate im Amt ist. Langfristig wollen sie einen Haustarifvertrag, ergänzen ihn seine Kollegen Daniel Bartsch, Oliver Fähmel und Thomas Urbanek. Im Dezember haben die rund 120 Beschäftigten – davon knapp 20 Leiharbeiter – bei SCHEDL einen Betriebsrat gewählt. Es war das erste Mal in der achtjährigen Geschichte des Leipziger Standorts. Maßgebliche Initiatoren waren Martin, Daniel, Thomas und Oliver.

SCHEDL

Daniel Bartsch, Martin Ritzau, Thomas Urbanek, Oliver Fähmel

 

„In den letzten Jahren wurden oft Veränderungen an Maschinen vorgenommen, ohne diejenigen zu fragen, die daran arbeiten“, erzählt Thomas. Anstatt die Arbeitsabläufe zu verbessern, waren sie danach schlechter als vorher. „Uns war klar, dass wir so etwas nur mit einem Betriebsrat in den Griff bekommen. Also haben wir uns zusammengetan und sind zur IG Metall gegangen, um Unterstützung zu bekommen.“
SCHEDL macht die komplette Reifenmontage für BMW Leipzig und ist zuständig für die weltweiten Reifenservice verschiedener BMW-Modelle. Das Geschäft erfordert enorme Flexibilität von der Belegschaft. Besonders zwischen Juni und Dezember, wenn die Nachfrage nach Winterreifen am größten ist. „Dann wird schon mal sehr kurzfristig mitgeteilt, dass in der nächsten Woche von zwei auf drei Schichten umgestellt wird“, sagt Martin. Auch dass um sechs Uhr vor der Schicht erklärt wird, wie lange gearbeitet wird, sei gang und gäbe.

„Nicht nur, dass wir dann jegliche Freizeit- und Familienplanung über Bord werfen müssen“, meint Oliver, der selbst eine sechsjährige Tochter hat. „Unsere Flexibilität wird auch noch als Selbstverständlichkeit hingenommen.“ Viele Beschäftigte von SCHEDL wünschen sich mehr Respekt: „Ab und zu mal ein einfaches Dankeschön würde gut tun“, bringt es Daniel auf den Punkt.

Dass sie weniger verdienen als die Kollegen vom BMW-Werk gegenüber, finden sie nicht gerecht. „Schließlich machen wir die gleiche Arbeit wie die anderen“, sagt Martin. Neidisch ist er nicht, „aber wenn wir drei, vier Euro die Stunde weniger bekommen, das ist schon ein blödes Gefühl.“

Auch die Situation der Leiharbeiter liegt ihnen am Herzen. Kein Wunder: Die fünf haben, wie so viele ihrer Kollegen, selbst als Leiharbeiter bei SCHEDL angefangen. Erst nach zwei Jahren wechselten sie zur Stammbelegschaft, natürlich mit einer zweijährigen Befristung. Gerade erst mussten wieder einige Leiharbeiter gehen, „manche von denen waren drei Jahre oder mehr im Betrieb“, sagt Martin.
„Wir konnten das als Betriebsrat nicht verhindern“, meint er, „aber wir haben der Geschäftsleitung klargemacht, dass das nicht in Ordnung ist.“ Mit einer Betriebsvereinbarung wollen sie die Situation künftig verbessern.

Generell meinen sie, dass über Werkverträge, Leiharbeit und überhaupt prekäre Beschäftigung viel zu wenig öffentlich diskutiert wird. Gerade in Leipzig, das regelmäßig die Listen der Städte mit den höchsten Armutsquoten und den meisten Niedriglohnempfängern anführt. „Ich habe manchmal das Gefühl, dass der Aufschwung Ost mit schlechter Bezahlung erkauft wurde“, sagt Martin. Dass die IG Metall zur Buchmesse eine Reihe von Veranstaltungen zum Thema Arbeit plant, findet er richtig und wichtig: „Viele von den Besuchern wissen wahrscheinlich gar nicht, dass hier sehr viele Leute arbeiten, die von ihrem Monatslohn nicht leben können. Es ist gut, dass wir das Thema auf die Tagesordnung setzen.“